Vokabeln
Heute habe ich einige neue Wörter auf Englisch gelernt. Die sprachliche Abstammung meiner Muttersprache ist auffallend vielfältig: Termini lateinischer, germanischer, griechischer, französischer Herkunft usw. finden alle ein Zuhause im Englischen. Aufgrund dieser Verflechtung bleiben sogar dem Muttersprachler die Wurzeln etlicher Wörter jahrelang schleierhaft. Auf Deutsch sind die Wörter aber klar wie Kloßbrühe! Zum Beispiel:
acarpous = aus dem Griechischen (a = ohne, karpos = Frucht) = unfruchtbar
acaudal = aus dem Griechischen (a = ohne, caudal = Schwanz) = schwanzlos
marsupial = aus dem Griechischen (marsypos = Beutel) = Beuteltier
pulchritude = aus dem Lateinischen (pulcher = schön) = Schönheit
(Okay, die Letzten zwei sind gar nicht neu, aber ich wollte nicht, dass sie alle mit ,,a“ anfingen.)
acarpous = aus dem Griechischen (a = ohne, karpos = Frucht) = unfruchtbar
acaudal = aus dem Griechischen (a = ohne, caudal = Schwanz) = schwanzlos
marsupial = aus dem Griechischen (marsypos = Beutel) = Beuteltier
pulchritude = aus dem Lateinischen (pulcher = schön) = Schönheit
(Okay, die Letzten zwei sind gar nicht neu, aber ich wollte nicht, dass sie alle mit ,,a“ anfingen.)
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Aufgrund (der Tatsache) dieser Verflechtung bleiben sogar dem Muttersprachler die WortWurzeln etlicher Wörter jahrelang schleierhaft.
Was ich mich aber frage, als Deutsch-Muttersprachlerin, ist, wieso du das Deutsche für so viel eindeutiger hältst? Deine Beispiele sind zwar sehr einleiuchtend, aber Deutsch ist ebenso eine Mischsprache: sie zählt zu den germanischen sowie zu den romanischen Sprachen.
Und wenn es dir nur um die Zusammensetzung geht... nun, ich denke, dass aufgrund der grmmatikalischen Unregelmäßigkeit bereits genügend Grund zum Grübeln besteht:
Für eine handschriftliceh Kopie sagt man "Abschrift", mancherorts aber auch "Abschrieb", eines leitet sich vom Verb, das andere vom Substantiv ab.
Nun ja, die Deduktion im Deutschen ist logisch - aber nur wenn man all seine anderen Unregelmäßigkeiten kennt.
>Das sprachliche Geschlecht meiner Muttersprache
Hm, unter "sprachliches Geschlecht" versteht man eigentlich das Genus, ... Vielleicht besser: "die sprachliche Abstammung" oder so etwas?
danke für die Korrekturen und Kommentare! Hm, ich würde behaupten, Englisch ist viel gemischter als Deutsch. Ich glaube, es ist schon bemerkenswert, dass man im Deutschen überhaupt auf ,,Fremdwörter“ hinweisen kann. (Es gibt sogar ein Fremdwörterbuch, oder?! Zumindest vor einigen Jahren.) Im Englischen täte man so etwas vergebens, denn sie sind irgendwie alle Fremdwörter. Nehmen wir Dein Beispiel: Abschrift. Auf Englisch heißt das „copy“ oder evtl. „duplication“. ,,Schrift„ ist immer noch ein geläufiges Wort, es sagt mir als Deutschlernendem etwas. Wenn ich ,,ab“ sehe, dann denke ich halt an ,,off/from“, z.B. im Sinne von ,,ableiten“. Also! Dann muss diese ,,Abschrift“ eine Art schriftliche Ableitung sein = Kopie. Okay, vielleicht lässt sich so etwas nicht so leicht erklären, aber immerhin bleibt es klarer im Deutschen. ,,Copy“ sagt mir auf Anhieb gar nichts, und „duplication“ enthüllt sich ein bisschen nur, wenn man weiß, dass ,,du“ irgendwie ,,zwei„ oder „doppelt“ bedeutet (siehe ,,duplicitous“, etc.). (Übrigens gibt’s sowohl ,,write-off“ als auch „write-up“, aber sie sind völlig unterschiedliche Dinge.)
Also, für mich als Deutschlernender ist die Logik dieser zusammengesetzen Wörter im Großen und Ganzen eindeutiger als im Englischen. Das alles sollte aber natürlich nicht heißen, dass Deutsch irgendwie unkompliziert ist. Ganz im Gegenteil!!! Schließlich sagt keiner: „Englische Sprache, schwere Sprache“, oder? :)
Liebe Grüße,
Sprachjunge
Doch, ich!
danke für die Korrekturen! Ja, diese Wörter sind anspruchsvoll und (außer ,,marsupial“) überhaupt nicht geläufig. Deswegen habe ich die ersten zwei erst gestern gelernt: Wären sie geläufiger gewesen, hätte ich sie wohl als Muttersprachler schon gewusst, oder? :)
Aber trotzdem sind sie Hinweise eines sprachlichen Merkmals, das ich immer noch verteidige. Sowohl im Englischen als auch (oft) im Deutschen gibt’s ein einfacheres Wort deutscher Herkunft und ein synonymes (evtl. anspruchsvolleres) Wort lateinischer Herkunft. Aber der springende Punkt ist: Oft ist das ,,einfachere“ Wort im Deutschen klarer als das ,,einfachere“ Wort im Englischen. Es gibt unzählige Beispiele dafür und der Grund liegt wohl darin, dass Englisch gemischter ist als Deutsch. Siehe:
skunk (?) vs. Stinktier („stink(y) animal„)
spire (?) vs. Kirchturmspitze („churchtowertop„)
vertebrate (?) vs. Wirbeltier („spineanimal„)
diary (?) vs. Tagebuch („day(s)book„)
Natürlich gibt es zusammengesetzte englische Wörter (,,murder mystery„), aber meiner Meinung nach gibt es mehr im Deutschen, und außerdem bleiben die Wurzeln in der Regel klarer (,,semicircle“ ist nicht schwer, aber man muss schon erkennen, dass ,,semi„ ,,half„ bedeutet. Im Gegensatz dazu erkennt jeder Drittklässler ,,Halbkreis“ und außerdem ist es der richtige Terminus dafür. Ich meine, im Prinzip könnte man ,,half circle“ sagen als Erklärung, aber das ist nicht das richtige Wort dafür; es ist ein ,,semicircle“.) Hm, ich weiß nicht, ob ich mich klar ausgedrückt habe, aber diese Beobachtung ist nicht irgendwie aus der Luft gegriffen. Viele haben so etwas bemerkt.
Nochmals bedeutet das alles natürlich nicht, dass Deutsch nicht seine eigenen (zahlreichen) Schwierigkeiten bietet. :)
Viele Grüße,
Sprachjunge